Dienstag, 25.6.
Seit über einer Woche bin ich jetzt auf dem Karnischen Höhenweg unterwegs. Morgen erreiche ich die Sillianer Hütte und steige dann nach Sexten ab, bevor ich wieder aufsteige zur Drei-Zinnen-Hütte und mich inmitten Südtirols befinde. Nach ein paar verregneten Tagen ist der Himmel am Sonntag wieder aufgeklart und spätestens seit Montag scheint wieder dauerhaft die Sonne bei Temperaturen bis zu 30grad.
Seit dem Karnischen Höhenweg begegnen mir von Tag zu Tag mehr Leute und es kommt zu vielen schönen Begegnungen und Gesprächen: ich treffe auf zwei Sachsen (die jetzt in Karlsruhe wohnen), die zwei schon erwähnten Österreicher (die in das Unwetter gekommen sind), auf Didi (der auch einen eigenen Blog hat und von Wien nach Nizza laufen möchte) und auch sonst gibt es viele Tagesausflügler, die sich nach meiner Reise erkundigen und interessiert nachfragen. Auf der Wolayerseehütte lerne ich Roman kennen, der auch gerade in meine Richtung unterwegs ist. Beim Abendessen kommen dann noch Heidi, Dani und Andrea hinzu. Auch wenn wir während der Tagesetappen nicht das gleiche Tempo haben, so sitzen wir spätestens abends wieder in geselliger Runde zusammen und tauschen uns über den Tag und sonstige Dinge aus. Und es tut gut, für ein paar Tage eine feste Gruppe um sich zu haben, auch wenn ich weiß, dass sich unsere Wege bald wieder trennen.
Die heutige Etappe von der Porzehütte zur Obstanserseehütte war ich dann wieder solo unterwegs, da die Anderen noch einen Tag länger auf der Porzehütte bleiben (Heidi hat zum Abschied noch eine Runde Zirbenschnaps ausgegeben). Es ist eine etwas kürzere Etappe und es gibt keinen Grund zur Eile. In den letzten Tagen/Wochen ist es mir noch schwer gefallen, nicht zu hetzen und bei Ankunft an der Hütte nicht noch weiter gehen zu wollen, da ja noch Zeit ist. Heute schaffe ich es bewusst, den Moment zu genießen. Ich mache immer wieder Pausen, genieße die Sonne sowie die Ruhe und lasse meinen Blick über die gewaltigen Bergketten schweifen. An der Hütte angekommen überlege ich kurz, ob ich weitergehe, es ist erst 13 Uhr. Die Umgebung ist jedoch unfassbar schön und der Obstanser See vor der Haustür überredet mich schließlich zum Bleiben.
Die Sonne scheint unerbittlich und mich reizt es, in den See zu springen. Es sieht schon mächtig kalt aus und auf der Oberfläche schwimmen noch vereinzelt Eisschollen. Die Verlockung ist jedoch zu groß und ich taste mich langsam in den See vor. Ich schwimme eine kleine Runde und merke, wie die Kälte meinen Körper durchströmt – ein schönes Gefühl! Spätestens jetzt merke ich, dass ich angekommen bin: im hier und jetzt.





