Freitag, 21.6.
Seit Mittwoch/Donnerstag hat das Wetter die Angewohnheit, ab ca. 13-14 Uhr umzuschlagen und Regen sowie Blitze hinabzuschicken. Dies war gestern bereits der Fall und heute genauso. Gestern war ich glücklicherweise schon 13 Uhr an der Zollnerseehütte und bin dem Unwetter entgangen. Zwei Österreicher hatten da weniger Glück und kommen erst später an, triefend nass. Sie erzählen später, dass es noch bis Sonntag so weitergehen soll.
Daher beschließe ich, am Freitag schon gegen 4 Uhr aufzustehen. Ab 11 Uhr ist Regen angesagt und bis zu meinem Ziel sind es ca. 6,5h, müsste also passen.
Der frühe Vogel undsoweiter…
Als ich kurz vor 5 Uhr loslaufe, ist es noch halbdunkel, ich finde es aber total genial und bin hellwach.
Die Etappe umfasst 20km, anfangs geht es 770m bergauf zum Köderkopf, bevor es 1300m hinunter geht und ich schließlich an der Valentinalm ankomme. Der Weg ist abenteuerlich und ich werde trotzdem nass. Zwar nicht von oben, dafür in gewisser Weise von unten. Ausgerechnet heute laufe ich fast durchgängig durch grasbewachsene Hänge, die ihr Regenwasser an meinen Schuhen und meiner Hose abstreifen. Egal, getrocknet werden kann noch am Ziel. Nach dem Gipfel geht es nach einiger Zeit durch ein Waldgebiet und viele umgestürzte Bäume versperren mir den Weg, sodass ich nur langsam vorankomme. Punkt 11 Uhr erreiche ich die Valentinalm und es scheint die Sonne.
Daher bin ich ernsthaft am Überlegen, ob ich noch zur Wolayerseehütte aufsteige, es wären nur 3h bergauf. Ich will mein Glück jedoch nicht herausfordern und mich nicht nur vom Ehrgeiz treiben lassen. Ich sage mir, dass ich für heute genug getan habe und jetzt die Entspannungsphase des Tages beginnt. Die Alm sieht zudem recht hübsch aus und die Gastwirte sind nett, was viel Wert ist.
Nicht mal eine Stunde später bin ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben: Der Himmel zieht zu und es beginnt heftigst zu regnen. Ich stehe in der Haustür und beobachte das Treiben aus dem Trockenen heraus. Und meine Laune steigt trotz oder wegen des Wetters. Und weil ich mich einmal mehr richtig entschieden habe.
Neben der Haustür entdecke ich eine Holztafel mit der Aufschrift: „Bei uns scheint immer die Sonne. Herzlich Willkommen“.
Na wenn das mal keine Ansage ist! 😃



